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Vollblut-Racing neben dem Studium

Augenränder, schlaflose Nächte in Vorstadt-Garagen der Eltern, Stapel von Energydrink-Dosen, glühende Prozessoren, die jede Heizung unnötig machen und ein anschließendes triumphierendes Grinsen in den Gesichtern von Vollzeitstudenten, die ja eigentlich noch für die Nachprüfung in Mathe lernen müssten: Dies wäre die passende Beschreibung für zehntausende Formula-Student-Teilnehmer rund um den Globus, die dort ihrer Passion zur Technik nachgehen, – und das ehrenamtlich neben dem Studium.

Seit 2007 entstehen in der Hochschule Bonn Rhein Sieg, in Sankt Augustin, Formelrennautos in Handarbeit, die sich Jahr für Jahr im internationalen Wettbewerb, der Formula Student, beweisen müssen.

Über 650 Universitäten und technische Hochschulen aus aller Welt entwickeln und bauen komplett in Eigenregie Formel-Rennwagen, die eine Reihe von dynamischen und statischen Disziplinen bewältigen müssen. In den statischen Disziplinen müssen ein Businessplan, Kosten und technisches Design eine Jury beeindrucken, um möglichst viele Punkte zu sammeln. Anschließend geht es auf die Strecke: Damit diese, in monatelanger Arbeit entstandenen, Prototypen nicht in einem Crash mit anderen in einem Trümmerhaufen enden, werden reine Zeitrennen absolviert. Von Beschleunigungs-,über Autocross- und Ausdauerrennen, müssen hier die eigenkonstruierten Boliden zeigen, was sie können: Nicht nur die schiere Leistung ist hier gefragt, sondern das Gesamtpaket aus Leichtbau, einer effizienten Aerodynamik, von dessen Freizügigkeit Formel-1-Ingenieure nur träumen können, guter Fahrbarkeit, Energieeffizienz und vor allem Zuverlässigkeit entscheidet, wer sich zu den Besten der Szene zählen darf. Letzterer Aspekt verhalf dem Team 2016 zu unerwartet vielen Lorbeeren: Im Overall-Klassement waren dies ein zweiter Platz in Italien, sechster in Deutschland und ein siebter in Österreich.

Apropos eigenkonstruiert: Kohlefaser-Monocoque, einmotoriger 80 kW- Elektroantrieb, eine ausgeklügelte Aerodynamik, dessen Simulation regelmäßig die Strompreise der Hochschule in galaktische Höhen treibt, sowie ein selbstentworfener Antriebsstrang, Akku und Regelung, selbstprogrammierte Software, Telemetrie und Fahrwerks-Kinematik.

Wo das Team 2007 aus nicht mehr als zehn Leuten bestand, stehen mittlerweile hinter dem gewaltigen Entwicklungsprozess und Management 80 Leute. Das entspricht etwa der Manpower eines Formel 1 Teams Mitte der 90er-Jahre. Die Formula Student Teams werden dabei von der Industrie gesponsert und bei der Fertigung unterstützt. Dabei werden oft im Gegenzug Talente aus der Szene geholt. Entwicklungen werden auch in Form von Praxissemestern, Bachelor- und Masterarbeiten bei den Sponsoren selbst durchgeführt.

BRS Motorsport vereint dabei mehrere Kompetenzen aus Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, BWL und Technikjournalismus/Public Relations. Was dennoch alle verbindet: die Leidenschaft für Technik und Racing.

2016 konnte man durch einen ausgereiften Antrieb ohne Mühe alle Endurance-Rennen durchfahren, das eigene Design bestens verkaufen und so wichtige Punkte sammeln. Der neunte Platz auf der Weltrangliste ist umso erstaunlicher, wenn man die Größe der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg mit den renommierten Universitäten aus Deutschland vergleicht.

Die erfolgreichsten Elektro-Teams bauen mittlerweile auf Allrad-Antriebe, dessen Entwicklung sich oftmals als sehr komplex und langwierig erweist, bis diese Früchte trägt. Auch BRS Motorsport tritt 2017 das erste Mal mit vier Radnabenmotoren an, mit denen man sich langfristig in den deutschen Top-10 einreihen will.

Das Team baut dabei auf eine nachhalte Art der Entwicklung: Da Studenten kommen und gehen, dienen Alumni und ältere Mitglieder des Teams als Mentor für Neulinge und vermitteln in wöchentlichen Kursen CAD, spezialisierte Simulations- und Konstruktionskenntnisse in allen Bereichen, die sie aus regulären Vorlesungen ggf. nicht kennen. Somit werden nahtlose Schnittstellen zwischen den Generationen sichergestellt, ohne dass bei jedem Generationenwechsel komplette Neustarts und schmerzhafte Lernprozesse gemacht werden müssen.